a-ha ist in den USA ein Ein-Hit-Wunder und in Europa eine Band mit vierzig Jahren Laufzeit. Beides stimmt, und beides steht in denselben Chartlisten. "Take On Me" musste dreimal erscheinen, bevor es funktionierte, das dazugehörige Video kostete 16 Wochen Handarbeit, und die drei deutschen Nummer-eins-Alben der Norweger liegen alle nach dem Jahr 2000.
Aus der gescheiterten Band Bridges wird 1982 a-ha
Pål Waaktaar-Savoy an der Gitarre und Magne Furuholmen am Keyboard spielten zuvor in der Osloer Band Bridges, die nicht über Norwegen hinauskam. Im Herbst 1982 tun sie sich mit dem Sänger Morten Harket zusammen. Der Bandname stammt aus einem frühen Liedentwurf der Gruppe, er sollte in möglichst vielen Sprachen dasselbe bedeuten und nichts Schlimmes heißen.
Im Januar 1983 zieht die Band nach London, ohne Vertrag und ohne Geld. Noch im selben Jahr unterschreibt sie bei WEA Records. Die Reihenfolge ist bemerkenswert: erst der Umzug, dann der Vertrag. Norwegen hatte zu diesem Zeitpunkt keine Popband von internationalem Rang hervorgebracht.
"Take On Me" musste dreimal erscheinen, bevor es lief
Die erste Fassung produziert Tony Mansfield, sie erscheint im Oktober 1984, erreicht in Norwegen Platz 3 und taucht in den britischen Charts überhaupt nicht auf. Verkauft werden von ihr rund 300 Exemplare. Die zweite Fassung entsteht mit Alan Tarney für das Album und erscheint im April 1985. Auch sie fällt durch. Erst die Neuveröffentlichung im September 1985, mit dem inzwischen fertigen Video, setzt sich durch.
Zwischen 300 verkauften Stück und Platz 1 in den USA liegen elf Monate und dieselbe Melodie. Was sich geändert hat, war nicht das Lied, sondern die Produktion, der Zeitpunkt und vor allem das Bild dazu.
Am 19. Oktober 1985 steht das Stück in seiner 15. Chartwoche auf Platz 1 der Billboard Hot 100. In Deutschland erreicht es ebenfalls Platz 1, in Großbritannien nur Platz 2, dort hält Jennifer Rush mit "The Power of Love" die Spitze besetzt. Eine Plattenfirma, die nach dem zweiten Fehlschlag aufgegeben hätte, hätte niemand dafür kritisiert.
Das Video besteht aus rund 3.000 von Hand gezeichneten Bildern
Regie führt Steve Barron. Das Verfahren heißt Rotoskopie: Realaufnahmen werden Bild für Bild nachgezeichnet, sodass Comic und Film ineinander übergehen. Rund 3.000 Einzelbilder entstehen so, die Arbeit dauert 16 Wochen. Neben Morten Harket spielt Bunty Bailey die Frau im Café.
Bei den MTV Video Music Awards 1986 gewinnt der Film sechs Auszeichnungen, darunter für die beste Regie, das beste Konzept, die besten Spezialeffekte und als bestes Video eines Newcomers, dazu zwei weitere Nominierungen. 2003 wählen die MTV-Zuschauer es unter die zehn besten Musikvideos aller Zeiten. Am 17. Februar 2020 überschreitet es auf YouTube eine Milliarde Aufrufe, am 20. September 2024 zwei Milliarden. Der Aufwand von 1985 rechnet sich also weiterhin.
Der Bond-Titel 1987 und der Weltrekord 1991 in Rio
1987 steuert die Band mit "The Living Daylights" das Titellied zu "James Bond 007: Der Hauch des Todes" bei. Die Single erreicht Platz 8 in Deutschland und Platz 5 in Großbritannien. a-ha bleibt bis heute die einzige norwegische Gruppe, die einen Bond-Titel gesungen hat.
Am 26. Januar 1991 spielt die Band beim Festival Rock in Rio II im Maracanã-Stadion vor 195.000 Zuschauern und stellt damit den Weltrekord für ein Stadionkonzert auf. Zur Einordnung: Das Rose-Bowl-Konzert von Depeche Mode drei Jahre zuvor zählte gut 60.000 Besucher.
In den USA fällt die Band binnen drei Alben von Platz 15 auf Platz 148
"Hunting High and Low" erreicht 1985 in den USA Platz 15. Der Nachfolger "Scoundrel Days" kommt 1986 auf Platz 74, "Stay on These Roads" 1988 auf Platz 148, und danach steht kein a-ha-Album mehr in den amerikanischen Charts. In Norwegen dagegen erreichen acht Alben in Folge Platz 1, in Großbritannien stehen die ersten drei jeweils auf Platz 2.
Der amerikanische Absturz hat einen Namen: Das Video war größer als die Band. Wer "Take On Me" über MTV kennengelernt hatte, kaufte das Video, nicht die Gruppe. In Europa lief es umgekehrt, dort trugen die Konzerte die Karriere weiter.
Deutschland liefert die Nummer-eins-Alben erst nach der Jahrtausendwende
1993 erscheint "Memorial Beach" und fällt in Deutschland auf Platz 17, in Großbritannien ebenfalls auf Platz 17. Es folgt eine Pause von sieben Jahren. Mit "Minor Earth Major Sky" kehrt die Band im Jahr 2000 zurück und steht damit zum ersten Mal in Deutschland auf Platz 1. "Lifelines" wiederholt das 2002, "Foot of the Mountain" 2009 ein drittes Mal. In Großbritannien stand dasselbe Comeback-Album 2000 auf Platz 27 und 2002 auf Platz 67.
Damit hat a-ha in Deutschland eine Karriere, die in Großbritannien und erst recht in den USA nicht stattgefunden hat. Die größten deutschen Erfolge liegen 15 bis 24 Jahre nach dem Debüt.
Trennung 2009, Abschied 2010, Rückkehr 2015
Am 15. Oktober 2009 kündigt die Band ihr Ende an. Das Abschiedskonzert findet am 4. Dezember 2010 im Oslo Spektrum statt. Die letzte Single davor, "Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah)", erreicht in Deutschland Platz 22 und in Großbritannien Platz 98.
Am 24. März 2015 gibt die Gruppe auf einer Pressekonferenz in der norwegischen Botschaft in Berlin bekannt, dass sie zurückkehrt. Der Ort ist kein Zufall: Deutschland war der Markt, der die Band getragen hatte. "Cast in Steel" erscheint am 4. September 2015 und erreicht in Deutschland Platz 4. 2022 folgt "True North", ebenfalls Platz 4.
Morten Harket macht 2025 seine Parkinson-Erkrankung öffentlich
Im Juni 2025 gibt der Sänger in einem auf a-ha.com veröffentlichten offenen Brief bekannt, dass er an Parkinson erkrankt ist. Harket unterzieht sich deshalb im Juni und im Dezember 2024 an der Mayo Clinic in den USA zwei Operationen zur tiefen Hirnstimulation: Auf beiden Seiten des Gehirns implantierte Elektroden sind seither über ein unter der Brust eingesetztes, schrittmacherähnliches Gerät mit Strom verbunden und sollen die Symptome dämpfen.
Harket singt die Kopfstimme am Ende von "Take On Me" seit vierzig Jahren live, ohne Netz und ohne Transposition. Nach der Diagnose äußert er offen Zweifel, ob ihm das wieder wie gewohnt gelingen wird, und nennt seine fehlende Lust am Singen selbst ein Warnzeichen. An neuen Liedern schreibt er trotzdem weiter, ohne zu wissen, ob sie je fertig oder veröffentlicht werden.
Take On Me wird 2025 vierzig Jahre alt und ist Norwegens erster US-Nummer-eins-Hit
Im September 2025 jährt sich die entscheidende Neuveröffentlichung von "Take On Me" zum vierzigsten Mal. Die Single ist der erste Nummer-eins-Hit einer norwegischen Band in der Geschichte der Billboard Hot 100. Zum Jubiläum bringt das Label Rhino/Warner im Rahmen des Record Store Day Black Friday 2025 eine limitierte EP mit acht Fassungen des Songs auf rubinrotem Vinyl heraus: Seite A versammelt zwei frühe Fassungen und die Instrumentalversion von 1985, Seite B sinfonische, akustische, unplugged und Live-Aufnahmen aus den Jahren 1991 bis 2018. Im selben Jahr übersteigt der Song zudem die Marke von zwei Milliarden Streams bei Spotify.
Ein Album trägt den größten Teil der Verkäufe
"Hunting High and Low" hat sich weltweit mehr als zwölf Millionen Mal verkauft, "Scoundrel Days" rund fünf Millionen. Insgesamt gibt die Band mehr als 100 Millionen verkaufte Tonträger an, wobei diese Zahl wie bei den meisten Gruppen dieser Größenordnung von Band und Label stammt und nicht aus Zertifizierungen.
Auffällig ist das Verhältnis: Das Debüt allein steht für mehr als das Doppelte des zweiten Albums, und das zweite für mehr als alle folgenden zusammen. In Deutschland verlief die Karriere danach zwar weiter nach oben, aber in einem kleineren Markt als 1985. Ein Nummer-eins-Album im Jahr 2009 verkauft weniger Stück als ein Album auf Platz 10 im Jahr 1985.
Die elf Studioalben in Zahlen
Höchste erreichte Platzierung je Land. Ein Strich bedeutet: keine Platzierung.
| Jahr | Album | NO | DE | UK | US |
|---|---|---|---|---|---|
| 1985 | Hunting High and Low | 1 | 10 | 2 | 15 |
| 1986 | Scoundrel Days | 1 | 4 | 2 | 74 |
| 1988 | Stay on These Roads | 1 | 4 | 2 | 148 |
| 1990 | East of the Sun, West of the Moon | 1 | 6 | 12 | - |
| 1993 | Memorial Beach | 1 | 17 | 17 | - |
| 2000 | Minor Earth Major Sky | 1 | 1 | 27 | - |
| 2002 | Lifelines | 1 | 1 | 67 | - |
| 2005 | Analogue | 1 | 6 | 24 | - |
| 2009 | Foot of the Mountain | 2 | 1 | 5 | - |
| 2015 | Cast in Steel | 2 | 4 | 8 | - |
| 2022 | True North | 3 | 4 | 12 | - |
Die wichtigsten Singles in Zahlen
| Jahr | Single | DE | UK | US |
|---|---|---|---|---|
| 1985 | Take On Me | 1 | 2 | 1 |
| 1985 | The Sun Always Shines on T.V. | 5 | 1 | 20 |
| 1986 | Train of Thought | 14 | 8 | - |
| 1986 | Hunting High and Low | 11 | 5 | - |
| 1986 | I've Been Losing You | 15 | 8 | - |
| 1986 | Cry Wolf | 20 | 5 | 50 |
| 1987 | Manhattan Skyline | 28 | 13 | - |
| 1987 | The Living Daylights | 8 | 5 | - |
| 1988 | Stay on These Roads | 7 | 5 | - |
| 1988 | Touchy! | 13 | 11 | - |
| 1990 | Crying in the Rain | 6 | 13 | - |
| 2000 | Summer Moved On | 8 | 33 | - |
| 2006 | Analogue (All I Want) | 33 | 10 | - |
| 2009 | Foot of the Mountain | 3 | 66 | - |
| 2010 | Butterfly, Butterfly | 22 | 98 | - |
Vier Länder, vier verschiedene Karrieren
Die beiden Tabellen zusammen ergeben ein Bild, das die übliche Erzählung vom Ein-Hit-Wunder zerlegt. In Norwegen ist a-ha eine Institution mit acht Nummer-eins-Alben in Folge. In Großbritannien war die Band eine Sache der achtziger Jahre: dreimal Platz 2 mit den Alben, ein Nummer-eins-Hit mit "The Sun Always Shines on T.V.", danach der Absturz bis auf Platz 67 und ein später Wiederaufstieg auf Platz 5 im Jahr 2009. In den USA gab es genau ein Jahr, 1985.
Und in Deutschland verlief die Kurve gegen jede Erwartung: unten anfangen mit Platz 10, oben ankommen nach zwanzig Jahren. Genau das ist der Grund, warum die Band ihre Rückkehr 2015 in Berlin verkündet hat und nicht in London.
Auch die Singles zeigen das. Von den fünfzehn hier aufgeführten Auskopplungen platzierten sich in Deutschland und in Großbritannien jeweils alle fünfzehn, in den USA genau drei: "Take On Me" auf Platz 1, "The Sun Always Shines on T.V." auf Platz 20 und "Cry Wolf" auf Platz 50. Danach kam dort keine a-ha-Single mehr in die Wertung.
Wer also sagt, a-ha sei ein Ein-Hit-Wunder, hat für ein einziges Land recht und für den Rest der Welt unrecht. Der Satz stammt aus Amerika und ist von dort mitgereist, weil die amerikanische Popberichterstattung die Vorlage für vieles war, was hierzulande über Musik geschrieben wurde. Die deutschen Zahlen erzählen eine andere Geschichte, und sie stehen in derselben Tabelle.
Häufige Fragen zu a-ha
Ist a-ha ein Ein-Hit-Wunder?
a-ha gilt in den USA als Ein-Hit-Wunder. Von den fünfzehn wichtigsten Singles der Band erreichten dort nur drei die Charts, und nur "Take On Me" schaffte es 1985 auf Platz 1. In Norwegen dagegen stehen acht Studioalben der Band in Folge auf Platz 1, in Deutschland drei Alben nach dem Jahr 2000.
Ist Morten Harket noch am Leben?
Morten Harket lebt und ist seit Juni 2025 öffentlich als an Parkinson erkrankt bekannt. Er unterzog sich 2024 zwei Operationen zur tiefen Hirnstimulation an der Mayo Clinic und äußert seither Zweifel, ob er wieder wie gewohnt wird singen können.
Wie viele Studioalben hat a-ha veröffentlicht?
a-ha hat elf Studioalben veröffentlicht, von "Hunting High and Low" 1985 bis "True North" 2022. Acht davon erreichten in Norwegen Platz 1, drei davon in Deutschland.
Wann feierte "Take On Me" sein 40-jähriges Jubiläum?
"Take On Me" feierte im September 2025 sein 40-jähriges Jubiläum als erster Nummer-eins-Hit einer norwegischen Band in der Geschichte der Billboard Hot 100. Zum Jubiläum erschien eine limitierte Vinyl-EP mit acht Fassungen des Songs.
Quellen
Stand der Angaben: 20. September 2026. Die Operationsdaten und Details zu Morten Harkets Parkinson-Diagnose stammen aus dem offiziellen Bandbrief auf a-ha.com, die Angaben zum 40-jährigen Jubiläum von "Take On Me" von The Oxford Student und Billboard.
- Morten Harket has Parkinson's disease, a-ha.com, abgerufen am 20. September 2026
- Take On Me: 40 years of a "one-hit wonder", The Oxford Student, abgerufen am 20. September 2026
- A-ha's Take on Me Music Video Reaches 2 Billion YouTube Views, Billboard, abgerufen am 20. September 2026
- Take On Me (40th Anniversary EP), Record Store Day UK, abgerufen am 20. September 2026
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