Über acht Jahrzehnte hinweg gilt Arthur Rubinstein als einer der bedeutendsten Pianisten des 20. Jahrhunderts. Weltberühmt wird er vor allem als Interpret Frédéric Chopins, daneben macht er sich auch als früher Fürsprecher spanischer und südamerikanischer Klaviermusik einen Namen.
Kindheit und Ausbildung
Arthur Rubinstein wird am 28. Januar 1887 im polnischen Łódź, damals Teil des Russischen Reiches, als jüngstes von sieben Kindern des Textilfabrikanten Isaak Rubinstein und seiner Frau Felicia geboren. Schon als Kleinkind zeigt er absolutes Gehör, mit vier Jahren gilt er als Wunderkind. Der Geiger Joseph Joachim ist von seinem Talent so beeindruckt, dass er die musikalische Erziehung des Jungen mitorganisiert. Mit zehn Jahren zieht Rubinstein nach Berlin, wo er Klavierunterricht bei Karl Heinrich Barth erhält – einem Schüler Franz Liszts, der selbst bei Carl Czerny, einem Schüler Beethovens, studiert hatte. 1900, im Alter von dreizehn Jahren, tritt Rubinstein erstmals mit den Berliner Philharmonikern auf.
Frühe Karriere
1904 zieht Rubinstein nach Paris, wo er Komponisten wie Maurice Ravel und Paul Dukas kennenlernt. 1906 gibt er sein US-Debüt in der Carnegie Hall, bleibt dort jedoch zunächst erfolglos und gerät in finanzielle Not; 1908 unternimmt er einen Suizidversuch, den er überlebt und nach dem er sich, wie er später berichtet, „wiedergeboren“ fühlt. 1912 debütiert er in London, während des Ersten Weltkriegs spielt er Rezitale in Großbritannien und begleitet den Geiger Eugène Ysaÿe. Auf ausgedehnten Tourneen durch Spanien und Südamerika ab 1916 entdeckt Rubinstein seine Begeisterung für Komponisten wie Enrique Granados, Isaac Albéniz, Manuel de Falla und Heitor Villa-Lobos; de Falla widmet ihm seine „Fantasía Bética“, Igor Strawinsky die „Trois mouvements de Petrouchka“.
Chopin-Interpret und Weltkarriere
1934 zieht sich Rubinstein für Monate zurück, um seine in jungen Jahren vernachlässigte Technik grundlegend zu überarbeiten – ein Schritt, der seine spätere Karriere entscheidend prägt. Während des Zweiten Weltkriegs lebt er in Los Angeles und wird 1946 US-Staatsbürger; nebenbei spielt er Klaviereinspielungen für Hollywoodfilme wie „Song of Love“ mit Katharine Hepburn. Weltweiten Ruhm erlangt er vor allem als Chopin-Interpret – die New York Times bezeichnet ihn später als ohnegleichen unter den „Chopinisten“. 1964 gibt er mitten im Kalten Krieg ein vielbeachtetes Chopin-Recital in Moskau. Auch als Kammermusiker ist er gefragt und musiziert unter anderem mit Jascha Heifetz, Pablo Casals und Gregor Piatigorsky. 1969 erhält der Dokumentarfilm „Arthur Rubinstein – The Love of Life“ über sein Leben den Oscar als bester Dokumentarfilm.
Privatleben, jüdische Identität und Tod
1932 heiratet der 45-jährige Rubinstein die 24-jährige polnische Balletttänzerin Nela Młynarska; das Paar bekommt fünf Kinder, darunter die Fotografin Eva Rubinstein und der Schauspieler John Rubinstein. 1977 trennt sich Rubinstein im Alter von 90 Jahren von Nela zugunsten der 33-jährigen Annabelle Whitestone, ohne dass es je zur Scheidung kommt. Rubinstein ist religiös agnostisch, betont aber zeitlebens seine jüdische Herkunft – die meisten seiner Verwandten in Polen werden im Holocaust ermordet. Nach 1914 tritt er nie wieder in Deutschland auf, 1949 droht er mit einem Boykott des Chicago Symphony Orchestra, sollte dieses den Dirigenten Wilhelm Furtwängler engagieren. Bei der Gründungsfeier der Vereinten Nationen 1945 unterbricht er sein Spiel, um aus Protest gegen die fehlende polnische Delegation die polnische Nationalhymne zu spielen. Später unterstützt er den Staat Israel mit zahlreichen Konzerten und Meisterkursen. Im Mai 1976 zieht sich der mittlerweile 89-jährige Rubinstein wegen nachlassender Sehkraft von der Bühne zurück – sein letztes Konzert gibt er in der Londoner Wigmore Hall, wo er knapp 70 Jahre zuvor erstmals aufgetreten war. Arthur Rubinstein stirbt am 20. Dezember 1982 im Schlaf in seinem Haus in Genf im Alter von 95 Jahren. Seine Asche wird ein Jahr später in einem nach ihm benannten Wald bei Jerusalem beigesetzt.
