Als "Le Fou chantant", der singende Verrückte, revolutioniert Charles Trenet in den dreißiger Jahren das französische Chanson. Mit seiner Komposition "La Mer" schreibt er 1946 einen der meistaufgenommenen Songs der Musikgeschichte und bleibt über sechs Jahrzehnte einer der prägendsten Liedermacher Frankreichs.
Kindheit und Anfänge
Charles Trenet wird am 18. Mai 1913 im südfranzösischen Narbonne geboren. Von 1933 bis 1936 tritt er als Duo mit dem Schweizer Pianisten Johnny Hess auf und nimmt in dieser Zeit 18 Platten für das Label Pathé auf. Während seines Militärdienstes um 1936 erhält er den Künstlernamen "Le Fou chantant", unter dem er bald darauf solo Karriere macht. 1937 schreibt er mit "Y a de la joie" einen Hit für Maurice Chevalier, der ihn zu einem gefeierten Konzert einlädt und ihm damit landesweite Bekanntheit verschafft.
Zweiter Weltkrieg und USA-Jahre
Während der deutschen Besatzung tritt Trenet in Pariser Cabarets auf, die auch von deutschen Offizieren besucht werden. Die kollaborationsfreundliche Presse verbreitet zudem fälschlich, sein Nachname sei ein Anagramm von "Netter" und deute auf jüdische Abstammung hin, Trenet muss seine Herkunft gegenüber den Vichy-Behörden nachweisen. Nach dem Krieg wird er lediglich formal gerügt, materielle Konsequenzen bleiben aus. 1945 zieht Trenet in die USA, wo er schnell Erfolg hat und sich mit Louis Armstrong und Charlie Chaplin anfreundet, bevor er 1951 nach Paris zurückkehrt.
La Mer
Bereits mit sechzehn Jahren verfasst Trenet ein Gedicht, das später zum Text von "La Mer" wird; die Melodie entsteht erst 1943 während einer Zugfahrt nach Perpignan, als ihn der Anblick der Meereslandschaft inspiriert. 1946 veröffentlicht, wird das Chanson zu einem unerwarteten Hit und einem Jazzstandard, bis zu Trenets Tod 2001 entstehen mehr als 4000 verschiedene Aufnahmen des Songs, der sich weltweit über 70 Millionen Mal verkauft.
Privatleben und Tod
1963 verbringt Trenet achtundzwanzig Tage in einem Gefängnis in Aix-en-Provence wegen des Vorwurfs unsittlichen Verhaltens gegenüber jungen Männern; die Anklage wird fallengelassen, doch der Vorfall macht seine Homosexualität öffentlich bekannt. Trenet heiratet nie und bleibt über diese Episode zeitlebens weitgehend öffentlich zurückhaltend. Charles Trenet stirbt am 19. Februar 2001 in Créteil bei Paris an den Folgen eines Schlaganfalls.
Fast tausend Lieder in sechzig Jahren
Charles Trenet wurde am 18. Mai 1913 in Narbonne geboren und schrieb im Lauf einer Laufbahn von über sechzig Jahren nahezu tausend Lieder. Seinen Beinamen "Le Fou chantant", der singende Verrückte, bekam er um 1936 nach dem Militärdienst und behielt ihn sein Leben lang.
"La Mer" lag drei Jahre in der Schublade
Das bekannteste Stück entstand der Überlieferung nach 1943 zusammen mit Léo Chauliac während einer Zugfahrt. Aufgenommen wurde es erst 1946. Der Grund für die Verzögerung ist überliefert: Das Stück galt als nicht swingend genug, um sich zu verkaufen, und lag drei Jahre lang liegen.
Heute existieren mehr als 400 aufgenommene Fassungen davon. Die englische Textfassung stammt von Albert Beach und heißt "Beyond the Sea", bekannt vor allem durch die Aufnahme von Bobby Darin aus den frühen sechziger Jahren, später auch durch George Benson Mitte der achtziger.
Ein Lied, das der eigene Verlag drei Jahre lang für unverkäuflich hielt, wurde damit zu einem der meistaufgenommenen Stücke der Musikgeschichte. 1947 folgte "Douce France", ebenfalls ein Dauerbrenner.
Zwei Verfahren, zwei Freisprüche
Trenets Biografie enthält zwei juristische Kapitel. Während der Besatzung trat er sowohl vor deutschen Besatzern in Frankreich als auch vor französischen Kriegsgefangenen in Deutschland auf. Nach der Befreiung prüfte ein Gericht im Zuge der Épuration légale den Vorwurf der Kollaboration. Das Verfahren endete mit einer förmlichen Rüge ohne weitere Folgen.
1963 wurde er wegen Verführung Minderjähriger angeklagt, wobei als minderjährig damals galt, wer unter 21 war. In zweiter Instanz wurde er freigesprochen.
Abschied 1975, Rückkehr 1981
1975 verabschiedete sich Trenet mit einem Konzert im Olympia von der Bühne und erklärte seinen Rücktritt. 1981 kehrte er zurück und trat weiter auf, bis er im April 2000 einen Schlaganfall erlitt. Sein letzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 25. Oktober 2000.
1999 wurde er in die Académie des Beaux-Arts gewählt. In die Académie française, die eigentliche Instanz der französischen Sprache, kam er nie.
Gestorben am 19. Februar 2001 in Créteil
Charles Trenet stirbt am 19. Februar 2001 in Créteil im Alter von 87 Jahren, knapp vier Monate nach seinem letzten Auftritt.
