Mit ihrer rauen, tiefen Stimme eignet sich Chavela Vargas das traditionell männlich geprägte Genre der mexikanischen Ranchera an und wird zu einer der einflussreichsten Interpretinnen Lateinamerikas. Nach jahrelanger Alkoholsucht und Bühnenabstinenz gelingt ihr im hohen Alter eines der bemerkenswertesten Comebacks der Musikgeschichte.
Kindheit und Ankunft in Mexiko
Chavela Vargas wird am 17. April 1919 im costa-ricanischen San Joaquín de Flores geboren. Im Alter von vierzehn Jahren flieht sie vor einer unglücklichen Kindheit nach Mexiko, wo sie sich zunächst als Straßensängerin in Mexiko-Stadt durchschlägt. Der Ranchera-Sänger José Alfredo Jiménez entdeckt sie für die Bühne; in den fünfziger Jahren tritt sie in den mondänen Hotels Acapulcos vor dem Hollywood-Jetset auf.
Aufstieg als Rancheras-Interpretin
Vargas eignet sich das bis dahin von Männern dominierte Ranchera-Genre auf radikale Weise an: Mit rauer, tiefer Stimme und einfacher Gitarrenbegleitung befreit sie es vom süßlichen Mariachi-Kitsch. Schon in jungen Jahren kleidet sie sich in Männerkleidung, raucht Zigarren und trägt eine Waffe, und singt dabei, ungewöhnlich für eine Frau ihrer Zeit, offen Liebeslieder über andere Frauen. Ihr charakteristischer roter Poncho, der Jorongo, wird bis ins hohe Alter zu ihrem Markenzeichen.
Sucht und Rückzug
Über fünfzehn Jahre kämpft Vargas mit schwerer Alkoholsucht, die sie später als "meine fünfzehn Jahre in der Hölle" bezeichnet. 1970 wird sie von einer indigenen Familie aufgenommen, die ihr bei der Genesung hilft; die Sucht zwingt sie zu diesem Zeitpunkt bereits, sich weitgehend von der Bühne zurückzuziehen.
Comeback und späte Anerkennung
1991 feiert Vargas in einem Nachtclub in Mexiko-Stadt ein spektakuläres Comeback. Internationale Bekanntheit erlangt sie vor allem durch die Fürsprache des Regisseurs Pedro Almodóvar, der ihre Musik in mehreren Filmen einsetzt; 2003, im Alter von 83 Jahren, gibt sie ihr Debüt in der New Yorker Carnegie Hall. Für ihr Lebenswerk erhält sie einen Latin Grammy sowie das spanische Großkreuz des Ordens Isabellas der Katholischen.
Privatleben und Tod
Ihr werden Affären mit mehreren Frauen nachgesagt, darunter mit der Malerin Frida Kahlo während deren Ehe mit Diego Rivera, bestätigt ist dies jedoch nicht. Erst 2002, im Alter von 81 Jahren, bekennt sich Vargas in ihrer Autobiografie offiziell zu ihrer Homosexualität, obwohl diese unter ihren Fans längst als offenes Geheimnis gilt. Chavela Vargas stirbt am 5. August 2012 im Alter von 93 Jahren im mexikanischen Cuernavaca an Atemversagen.
Eine Costa-Ricanerin sang die Musik der mexikanischen Männer
Chavela Vargas hieß bürgerlich Isabel Vargas Lizano und wurde am 17. April 1919 in San Joaquín de Flores in Costa Rica geboren. Bekannt wurde sie in Mexiko als Sängerin von Rancheras, einem Genre, das bis dahin Männern gehörte.
Ungewöhnlich war dabei alles: ihre tiefe, raue Stimme, ihr Repertoire und ihr Auftreten in Hosen und Poncho statt im traditionellen Bühnenkleid. Sie sang die Lieder unverändert, also weiterhin an Frauen gerichtet, und das war der eigentliche Bruch. Insgesamt nahm sie über achtzig Alben auf.
Fünfzehn Jahre, die sie ihre Hölle nannte
1979 zog sie sich von der Bühne zurück. Der Grund war ihr Alkoholismus, über den sie später offen sprach: Fünfzehn Jahre lang, sagte sie, sei sie in der Hölle gewesen. 1970 nahm sie eine indigene Familie auf und half ihr, davon loszukommen. 2003 gab sie an, seit 25 Jahren nichts mehr getrunken zu haben.
Das Comeback begann mit siebzig
1989, mit siebzig Jahren, wurde sie für einen Film wiederentdeckt. Ein Jahr später wurde Pedro Almodóvar auf ihre Stimme aufmerksam und setzte sie in seinen Filmen ein, unter anderem in "Die Waffen einer Frau" von 1988 und "Mein blühendes Geheimnis" von 1995.
1991 stand sie wieder regelmäßig auf der Bühne, im Nachtclub El Hábito im Stadtteil Coyoacán von Mexiko-Stadt. 1993 und 1994 nahm sie neue Alben auf und ging auf Tournee.
| Jahr | Ereignis | Alter |
|---|---|---|
| 1979 | Rückzug von der Bühne | 60 |
| 1989 | Wiederentdeckung für einen Film | 70 |
| 1991 | regelmäßige Auftritte in Mexiko-Stadt | 72 |
| 2000 | öffentliches Bekenntnis zur Homosexualität | 81 |
| 2002 | Rolle des Todes im Film "Frida" | 83 |
| 2003 | Debüt in der Carnegie Hall | 83 |
| 2007 | Latin Grammy für das Lebenswerk | 88 |
| 2012 | letztes Album "Luna Grande" | 93 |
Debüt in der Carnegie Hall mit 83
2003 stand Vargas zum ersten Mal in der Carnegie Hall, vermittelt von Almodóvar. Der Mitschnitt erschien 2004 als Album "Chavela at Carnegie Hall".
Zur Einordnung: Benny Goodman war 28, als er 1938 in diesem Saal spielte. Vargas war 83 und stand dort zum ersten Mal, 24 Jahre nachdem sie ihre Laufbahn eigentlich beendet hatte.
Mit 81 sprach sie öffentlich über ihre Homosexualität
In einem kolumbianischen Fernsehinterview im Jahr 2000 bekannte sie sich zu ihrer Homosexualität, ausführlich beschrieben in ihrer Autobiografie von 2002 unter dem Titel "Y si quieres saber de mi pasado", also "Und wenn du von meiner Vergangenheit wissen willst".
Sie war zu diesem Zeitpunkt 81 Jahre alt. Über Jahrzehnte hatte sie in Mexiko in Hosen auf der Bühne gestanden und Liebeslieder an Frauen gesungen, ohne dass es je ausgesprochen wurde. Als junge Frau soll sie eine Beziehung mit der Malerin Frida Kahlo gehabt haben. Im Film "Frida" von 2002 spielte sie die Rolle des Todes.
Gestorben am 5. August 2012 in Cuernavaca
Chavela Vargas stirbt am 5. August 2012 in Cuernavaca in Mexiko an den Folgen einer Atemwegserkrankung, im Alter von 93 Jahren. Ihr letztes Album "Luna Grande" war im selben Jahr erschienen.
2000 hatte sie das Großkreuz des spanischen Ordens Isabel la Católica erhalten, 2007 den Latin Grammy für ihr Lebenswerk. Eine ihrer letzten aufgezeichneten Äußerungen lautet, ihr Gesang sei allen Frauen der Welt gewidmet: Müttern, Töchtern, Schwestern, Ehefrauen, Freundinnen und Geliebten.
