Mit Rollen wie Cyrano de Bergerac und dem gallischen Krieger Obelix wird Gérard Depardieu zu einem der bekanntesten und produktivsten Schauspieler Frankreichs. In den 2010er und 2020er Jahren gerät er zunehmend durch seine russische Staatsbürgerschaft und schließlich durch eine Verurteilung wegen sexueller Übergriffe in die Schlagzeilen.
Kindheit
Gérard Depardieu wird am 27. Dezember 1948 im französischen Châteauroux geboren, als drittes von sechs Kindern einer Arbeiterfamilie – sein Vater arbeitet als Metallarbeiter, seine Mutter ist Hausfrau. In seiner Kindheit leidet er unter Sprachstörungen. Mit dreizehn Jahren verlässt er die Schule und beginnt eine Lehre als Drucker. 1964 überredet ihn sein Freund Michel Pilorgé, mit nach Paris zu ziehen, wo Depardieu Schauspielunterricht nimmt.
Durchbruch und Karriere
Ab 1965 steht Depardieu vor der Kamera, seinen Durchbruch erzielt er mit dem Skandalerfolg „Die Ausgebufften“ von Bertrand Blier. Im Laufe seiner Karriere dreht er mehr als hundert Filme, in mehr als siebzig davon in der Hauptrolle, und wird mit sechzehn Nominierungen zum Rekordhalter beim französischen Filmpreis César, den er zweimal gewinnt – für „Die letzte Metro“ und für seine Titelrolle in „Cyrano de Bergerac“ (1990), die ihm auch eine Oscar-Nominierung einbringt. Seine größte Popularität erlangt er als gallischer Krieger Obelix in mehreren Verfilmungen der Comicreihe „Asterix“. Neben der Schauspielerei betätigt sich Depardieu als Winzer und Gastronom; seit 2004 betreibt er das Pariser Restaurant La Fontaine Gaillon.
Steuerflucht und russische Staatsbürgerschaft
Im Dezember 2012 meldet sich Depardieu, nachdem der französische Präsident François Hollande eine Reichensteuer von 75 Prozent vorschlägt, als Steuerresident in Belgien an – der französische Premierminister Jean-Marc Ayrault kritisiert dies öffentlich als „schäbig“. Am 3. Januar 2013 unterzeichnet Wladimir Putin ein Dekret, das Depardieu die russische Staatsbürgerschaft verleiht; fünf Tage später nimmt der Schauspieler bei einem Treffen mit Putin in Sotschi seinen russischen Pass entgegen. Der Schritt beschädigt sein Ansehen in Frankreich erheblich und löst breite Kritik aus.
Vorwürfe und Verurteilung wegen sexueller Übergriffe
Bereits 1978 äußert sich Depardieu in einem Interview mit „Film Comment“ über Vergewaltigungen in seiner Jugendzeit – eine Aussage, die 1990 während seiner Oscar-Kampagne für „Cyrano de Bergerac“ erneut Aufsehen erregt. Jahrzehnte später, im Zuge der #MeToo-Bewegung, werden gegen Depardieu mehrere Vorwürfe sexueller Übergriffe erhoben. Am 13. Mai 2025 spricht ihn ein Pariser Gericht des sexuellen Übergriffs auf zwei Frauen während der Dreharbeiten zu „Les Volets verts“ (2021) für schuldig und verurteilt ihn zu achtzehn Monaten Haft auf Bewährung sowie zu Geldstrafen von insgesamt 29.040 Euro; zudem wird er in das französische Sexualstraftäterregister eingetragen. Depardieu, der zum Urteil nicht persönlich erscheint, kündigt über seinen Anwalt Berufung an.
Privatleben
Von 1970 bis zur endgültigen Scheidung 2006 ist Depardieu mit der Schauspielerin Élisabeth Guignot verheiratet, mit der er die Kinder Guillaume und Julie hat; Sohn Guillaume, ebenfalls Schauspieler, stirbt 2008 im Alter von 37 Jahren an einer Lungenentzündung nach Komplikationen durch Drogenabhängigkeit und einen Motorradunfall von 1995. Von 1996 bis 2005 ist Depardieu mit der Schauspielerin Carole Bouquet liiert. Mit dem Model Karine Silla hat er 1992 Tochter Roxane, mit Hélène Bizot 2006 Sohn Jean.