Eine rein deutsche Geschichte

Auf dem Index

Kein anderes Land hat Computerspiele auf diese Weise behandelt. Eine Behörde setzte sie auf eine Liste, danach durften sie nicht mehr beworben und Jugendlichen nicht mehr verkauft werden. Nach 25 Jahren fällt ein Eintrag von selbst weg, wenn niemand ihn erneuert.

14belegte Fälle
11wieder gestrichen
2noch gesperrt
28 Jahrelängster Fall

Der erste Fall der Sammlung ist River Raid und liegt im Jahr 1984. Es war ein Spiel, in dem ein Flugzeug einen Fluss entlangfliegt. Die Begründung sprach von paramilitärischer Ausbildung im Kindesalter. Der jüngste Fall, Return to Castle Wolfenstein, wurde 2007 auf die Liste gesetzt.

Am längsten hielt sich Postal mit 28 Jahren. Auffällig ist die Häufung der Streichungen ab 2011: Damals griff bei den großen Fällen der neunziger Jahre die 25-Jahres-Frist, und gleichzeitig änderte sich die Bewertungspraxis. Ein Spiel steht also nicht zwangsläufig deshalb nicht mehr auf dem Index, weil jemand es neu beurteilt hätte. Oft ist einfach die Zeit abgelaufen.

River Raid

erschienen 1982gestrichen
Indiziert19. Dezember 1984
Wieder frei2003
Dauer19 Jahre

Auf Antrag des Herstellers vom Index entfernt

Begründung: sozialethisch desorientierend, kriegsverherrlichend, aggressionssteigernd

Zusammen mit Battlezone und Speed Racer eines der ersten drei in Deutschland indizierten Spiele.

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In der Begründung des Indizierungsbeschlusses der BPjS vom 19. Dezember 1984 heißt es unter anderem: Wie sich der Jugendliche in die Rolle des kompromisslosen Kämpfers und Vernichters hineindenken solle, gehe schon aus der Spielanleitung hervor.

Quelle

Doom

erschienen 1993gestrichen
IndiziertDezember 1994
Wieder frei31. August 2011
Dauer17 Jahre

Listenstreichung nach knapp 17 Jahren

Begründung: Gewaltdarstellung

Der bekannteste deutsche Indizierungsfall. Während der Indizierung durfte das Spiel nicht geschäftlich beworben werden.

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In Deutschland wurde Doom von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) wegen der Gewaltdarstellung indiziert.

Quelle

Doom 2: Hell on Earth

erschienen 1994gestrichen
IndiziertDezember 1994
Wieder freiDezember 2019
Dauer25 Jahre

Die deutsche Fassung kam im August 2011 vom Index, die US-Fassung erst im Dezember 2019

Begründung: Gewaltdarstellung

Zwei geerbte Level aus Wolfenstein 3D hielten die US-Fassung acht Jahre länger auf dem Index als die deutsche.

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Lediglich die amerikanische Version von Doom 2 blieb bis 2019 auf der Liste, da sich dort zwei aus dem indizierten und bundesweit beschlagnahmten Spiel Wolfenstein 3D übernommene Levels finden.

Quelle

Wolfenstein 3D

erschienen 1992gestrichen
Indiziert29. Januar 1994
Wieder freiOktober 2019
Dauer25 Jahre

Zusätzlich beschlagnahmt am 25. Januar 1994 durch das Amtsgericht München, Beschlagnahme aufgehoben am 29. August 2019

Begründung: Gewaltdarstellung und Verwendung von NS-Symbolik

Die Beschlagnahme bestand rund ein Vierteljahrhundert. Die Fortsetzung Spear of Destiny wurde am 31. März 1999 indiziert, die SNES-Fassung am 29. Oktober 1994.

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Neben der Beschlagnahme erfolgte am 29. Januar 1994 die Indizierung von Wolfenstein 3D durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS).

Quelle

Duke Nukem 3D

erschienen 1996gestrichen
IndiziertJuli 1996
Wieder freiJanuar 2017
Dauer21 Jahre

Indizierung des Hauptspiels und der Erweiterung aufgehoben

Begründung: Gewaltdarstellung

Die Erweiterung Plutonium Pak wurde im Juni 1997 nachträglich ebenfalls indiziert.

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Aufgrund der im Spiel enthaltenen Gewaltdarstellungen wurde Duke Nukem 3D im Juli 1996 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.

Quelle

Blood

erschienen 1997gestrichen
Indiziert1997erschlossen
Wieder freiJuni 2022
Dauer25 Jahre

Die Importfassung wurde indiziert, bevor das Spiel offiziell in Deutschland erschien. Das Jahr folgt aus der Verjährung im Juni 2022 und der 25-Jahres-Frist, es steht nicht ausdrücklich in der Quelle.

Begründung: Gewaltdarstellung

Indiziert wurde die Importfassung, bevor das Spiel hier überhaupt erschien.

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In Deutschland wurde Blood als Import-Version von der BPjS indiziert, bevor es offiziell in Deutschland veröffentlicht wurde. Die Indizierung verjährte im Juni 2022.

Quelle

Postal

erschienen 1997indiziert
IndiziertJuni 1998
Endeoffen
Dauer28 Jahre und läuft

Im Mai 2023 folgeindiziert, nachdem die erste Indizierung nach 25 Jahren verjährt war

Begründung: Die USK verweigerte die Freigabe, weil es grausam und unmenschlich sei, die Rolle eines Massenmörders zu übernehmen

Der Gegenfall zu allen anderen: Hier lief die Frist ab, und die Behörde entschied sich für eine neue Indizierung. Das Spiel ist deshalb über Steam und GOG in Deutschland nicht verfügbar.

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Im Mai 2023 wurde Postal von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz folgeindiziert, da die erste Indizierung von 1998 auf Grund der 25-Jahresfrist verjährt war und das Spiel in Deutschland weiterhin als jugendgefährdend eingestuft wird.

Quelle

Command & Conquer: Generals

erschienen 2003gestrichen
Indiziert2003erschlossen
Wieder frei2013
Dauer10 Jahre

Die Ursprungsfassung wurde indiziert, in Deutschland erschien eine veränderte Neuauflage. Die Quelle nennt nur das Erscheinungsjahr Februar 2003 und die Aufhebung 2013, kein Datum der Indizierung.

Ein Beispiel für den üblichen Ausweg der Hersteller: eine eigene deutsche Fassung.

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Generals (Februar 2003), Ursprungsfassung wurde indiziert (2013 aufgehoben), veränderte Neuauflage in Deutschland als Generäle Die Stunde Null.

Quelle

Condemned: Criminal Origins

erschienen 2005beschlagnahmt
IndiziertApril 2006
Endeoffen
Dauer20 Jahre und läuft

Am 8. Februar 2008 zusätzlich bundesweit beschlagnahmt durch das Amtsgericht München

Begründung: unmenschliche und grausame Gewaltdarstellung sowie Glorifizierung von Selbstjustiz nach Paragraf 131 StGB

Zwei Stellen, zwei Urteile: Die Prüfstelle sah keinen strafbaren Inhalt, das Amtsgericht zwei Jahre später schon.

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In Deutschland wurde das Spiel am 8. Februar 2008 vom Amtsgericht München wegen unmenschlicher und grausamer Gewaltdarstellung sowie der Glorifizierung von Selbstjustiz und Gewaltanwendung nach Paragraf 131 StGB bundesweit beschlagnahmt, obwohl die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit der vorherigen Indizierung im April 2006 auf Listenteil A keinen strafbaren Inhalt sah.

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Dead Rising

erschienen 2006gestrichen
IndiziertNovember 2006
Wieder freiNovember 2017
Dauer11 Jahre

Ende August 2007 zusätzlich bundesweit beschlagnahmt, Beschlagnahme im November 2017 aufgehoben

Begründung: Gewaltdarstellung nach Paragraf 131 StGB

In Deutschland nie offiziell erschienen. Nach der Aufhebung wurde bekannt, dass ein weiteres Gericht das Spiel im Juni 2017 erneut beschlagnahmt hatte.

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In Deutschland nie offiziell veröffentlicht, war es von Ende August 2007 bis November 2017 aufgrund seiner Gewaltdarstellung beschlagnahmt, weswegen es nicht mehr verkauft werden durfte.

Quelle

Gears of War

erschienen 2006gestrichen
Indiziert25. November 2006
Wieder freiJuli 2016
Dauer10 Jahre

Listenstreichung nach knapp zehn Jahren

Begründung: Gewaltdarstellung

Die Ultimate Edition erschien danach mit rund einjähriger Verspätung. Erst der dritte Teil der Reihe wurde in Deutschland nicht mehr indiziert.

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Das Spiel wurde am 25. November 2006 von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert (nochmals bestätigt am 11. Januar 2007).

Quelle

Return to Castle Wolfenstein

erschienen 2001gestrichen
Indiziert2007 (Neuauflagen)
Wieder freiMärz 2026
Dauer19 Jahre

Bereits die zensierte deutsche Erstfassung kam auf die Liste, ein Datum dafür ist nicht belegt. Für die Neuauflagen nennt die Quelle 2007.

Begründung: Gewaltdarstellung

Der jüngste Fall der Liste. Im August 2026 erschien das Spiel erstmals ungeschnitten auf dem deutschen Markt, rund ein halbes Jahr nach der Aufhebung.

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Die Neuauflagen wurden in Deutschland nicht veröffentlicht und waren seit 2007 indiziert (Liste A). Im März 2026 wurden die Indizierungen aller Versionen vorzeitig aufgehoben.

Quelle

Left 4 Dead 2

erschienen 2009gestrichen
Indiziert2010erschlossen
Wieder freiJanuar 2021
Dauer11 Jahre

Im Februar 2010 durch das Amtsgericht Tiergarten beschlagnahmt, Beschlagnahme 2019 aufgehoben, alle Versionen im Januar 2021 vom Index gestrichen. Das Jahr der Indizierung selbst nennt die Quelle nicht, es ist aus der Beschlagnahme erschlossen.

Begründung: Gewaltdarstellung nach Paragraf 131 StGB

In Deutschland war jahrelang nur eine gewaltgeminderte Fassung erhältlich, während in Österreich und der Schweiz das Original verkauft wurde.

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Im Februar und März 2019 wurde der Beschlagnahmungsbeschluss vom AG Berlin-Tiergarten aufgehoben, aber diese Versionen unterliegen aufgrund der Indizierungen im Listenteil B in Deutschland weiterhin einem Verbreitungsverbot. Im Januar 2021 wurden alle Versionen vom Index gestrichen.

Quelle

Counter-Strike

erschienen 2000nicht indiziert
Indiziertnie
Wieder freinicht zutreffend
Dauernicht zutreffend

Indizierungsantrag 2002 abgelehnt

Begründung: Die Prüfstelle stellte eine gewisse Jugendgefährdung fest, die für eine Indizierung nicht ausreichte

Der Fall, der anders ausging. Zur Untersuchung lud die Prüfstelle erstmals Vertreter der Spielergemeinschaft ein. Anschließend drängte sie auf eine Novellierung des Jugendschutzgesetzes.

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Im Mai 2002 gab die BPjS bekannt, sie stelle eine gewisse Jugendgefährdung fest, die jedoch nicht für eine Indizierung ausreiche.

Quelle

Was diese Sammlung nicht ist

Keine vollständige Liste. Die Bundesprüfstelle hat über die Jahrzehnte hunderte Titel indiziert, eine öffentliche Gesamtliste gibt es nicht. Aufgenommen sind Fälle, für die sich Datum und Verlauf belegen ließen. Zu jedem Eintrag steht der Satz, auf den er sich stützt. Wo das Datum der Indizierung nicht ausdrücklich in der Quelle steht, ist es als erschlossen gekennzeichnet.

Erhoben am 2026-08-29. Quelle: Artikel der deutschsprachigen Wikipedia zu den jeweiligen Spielen. Dauerangaben laufender Fälle beziehen sich auf 2026. Mehr zu Spielen und Digitalem