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Jessye Norman

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Zusammenfassung

Als eine der bedeutendsten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts und gefeierte Wagner-Interpretin überwindet Jessye Norman als Schwarze Künstlerin strukturelle Barrieren der internationalen Opernszene und wird zur "Königin der Oper". Kindheit und Ausbildung Jessye Norman wird am 15. September 1945 in Augusta, Georgia, als eines von fünf Kindern in eine musikalische Familie geboren; ihre Eltern sind in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und musizieren in ihrer Freizeit. Mit einem Stipendium studiert sie Gesang an der Howard University in Washington, D.

Als eine der bedeutendsten Opernsängerinnen des 20. Jahrhunderts und gefeierte Wagner-Interpretin überwindet Jessye Norman als Schwarze Künstlerin strukturelle Barrieren der internationalen Opernszene und wird zur "Königin der Oper".

Kindheit und Ausbildung

Jessye Norman wird am 15. September 1945 in Augusta, Georgia, als eines von fünf Kindern in eine musikalische Familie geboren; ihre Eltern sind in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und musizieren in ihrer Freizeit. Mit einem Stipendium studiert sie Gesang an der Howard University in Washington, D.C., wo sie 1967 ihren Abschluss macht; weitere Ausbildung erhält sie am Peabody Conservatory in Baltimore und an der University of Michigan.

Durchbruch und Karriere

1968 gewinnt Norman den internationalen Musikwettbewerb des Bayerischen Rundfunks. 1969 gibt sie in West-Berlin als Elisabeth in Richard Wagners "Tannhäuser" ihr Operndebüt. Besonders als Wagner-Interpretin wird sie weltberühmt, ihr Repertoire reicht darüber hinaus von Francis Poulenc über Leoš Janáček und Béla Bartók bis zu Giuseppe Verdi, Richard Strauss und Arnold Schönberg. 1996 eröffnet sie die Olympischen Sommerspiele in Atlanta mit einem Auftritt. Ab den neunziger Jahren wendet sie sich zusätzlich dem Jazz zu und erarbeitet Programme mit Musik von Michel Legrand und Duke Ellington. Im Laufe ihrer Karriere gewinnt sie vier Grammys für einzelne Aufnahmen sowie einen weiteren für ihr Lebenswerk und erhält die National Medal of Arts.

Krankheit und Tod

2015 erleidet Jessye Norman eine Rückenmarksverletzung, an deren Folgen sie am 30. September 2019 im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Manhattan an septischem Schock und multiplem Organversagen stirbt.

1968 gewinnt sie den ARD-Wettbewerb in München

Der Weg auf die europäischen Bühnen führte über einen Wettbewerb: 1968 gewann Norman den Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. Ein Jahr später stand sie in Berlin auf der Bühne.

Debüt 1969 an der Deutschen Oper Berlin

Jessye Norman gab ihr Operndebüt 1969 an der Deutschen Oper Berlin, als Elisabeth in Richard Wagners "Tannhäuser". Eine schwarze Amerikanerin, die in Berlin eine Wagner-Partie singt, war 1969 ein Vorgang, für den es kaum Vorbilder gab.

JahrRolleOrt
1969Elisabeth in TannhäuserDeutsche Oper Berlin
1972Titelrolle in Aida, unter Claudio Abbado
1972Cassandra in Les TroyensRoyal Opera House
1982Dido in Dido and AeneasPhiladelphia
1985Ariadne auf NaxosWiener Staatsoper

1989 die Marseillaise zur Zweihundertjahrfeier

Zum 200. Jahrestag der Französischen Revolution sang Norman die Marseillaise. Für eine amerikanische Sängerin, deren Eltern in der Bürgerrechtsbewegung aktiv waren, ist das eine Rolle mit doppeltem Boden: die Nationalhymne einer Revolution, gesungen von jemandem, dessen eigenes Land die Gleichheit erst zwei Jahrhunderte später einzulösen begann.

Zwei Amtseinführungen amerikanischer Präsidenten

Norman sang bei zwei Amtseinführungen im Weißen Haus, und zwar für Präsidenten beider Parteien: am 21. Januar 1985 bei der zweiten Vereidigung von Ronald Reagan das Lied "Simple Gifts", im Januar 1997 bei der zweiten Vereidigung von Bill Clinton "Oh Freedom".

Die Auswahl der Stücke ist bemerkenswert. "Oh Freedom" ist ein Spiritual aus der Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, gesungen von befreiten Sklaven, mit der Zeile, man wolle lieber begraben sein als weiter in Knechtschaft leben. Dieses Lied bei der Vereidigung eines Präsidenten zu singen, ist etwas anderes als eine festliche Nummer.

Debüt an der Metropolitan Opera zum hundertsten Jubiläum

An der Metropolitan Opera in New York debütierte sie am 26. September 1983, und zwar am Eröffnungsabend der Jubiläumsspielzeit zum hundertjährigen Bestehen des Hauses, als Cassandre in Berlioz' "Les Troyens".

Dass ein Haus seinen hundertsten Geburtstag mit dem Debüt einer Sängerin eröffnet, kommt selten vor. Es ist in ihrem Fall auch eine Auskunft über die amerikanische Opernwelt: Norman war zu diesem Zeitpunkt seit vierzehn Jahren auf europäischen Bühnen zu Hause.

Über dreißig Ehrendoktorwürden und eine eigene Schule

Norman erhielt Ehrendoktorwürden von mehr als dreißig Hochschulen, Universitäten und Konservatorien. 2003 eröffnete sie gemeinsam mit der Rachel Longstreet Foundation in ihrer Geburtsstadt Augusta in Georgia die Jessye Norman School of the Arts, eine kostenfreie Kunstschule für Kinder.

Damit schließt sich ein Kreis: Ihre eigene Ausbildung hatte mit einem Stipendium an der Howard University begonnen. Die Schule in Augusta richtet sich an Kinder, die sich Unterricht sonst nicht leisten könnten.

Fünf Grammys und der Wolf-Preis

JahrAuszeichnung
1984, 1988, 1989, 1998, 2006Grammy Award, insgesamt fünf
1984Commandeur de l'Ordre des Arts et des Lettres
1989Ordre de la Légion d'honneur
1997Kennedy-Preis
2009National Medal of Arts
2015Wolf-Preis für Künste

Gestorben am 30. September 2019 in Manhattan

Jessye Norman stirbt am 30. September 2019 in Manhattan im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Rückenmarksverletzung, die sie sich 2015 zugezogen hatte.

Zwischen dieser Verletzung und ihrem Tod liegen vier Jahre. Für eine Sängerin, deren Instrument der eigene Körper ist, bedeutet eine solche Verletzung das Ende der Laufbahn, lange vor dem Ende des Lebens.

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