
Deutschlands letzte Videotheken
1990 zählte der Branchenverband 9.500 Videotheken. 2022 waren es 49, ein Rückgang um 99,5 Prozent. Die Zahlen dazwischen stammen Jahr für Jahr vom selben Erheber.
Der Bestand, Jahr für Jahr
Gezählt: Videotheken in Deutschland. Erheber ist durchgehend der IVD, der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels.
- 19801.000
- 19877.800
- 19909.500
- 19956.200
- 20004.591
- 20054.273
- 20064.302
- 20074.173
- 20083.508
- 20093.009
- 20102.795
- 20112.460
- 20122.208
- 20131.848
- 20141.544
- 20151.212
- 2016914ohne Automaten
- 2017586ohne Automaten
- 2018440
- 2019345
- 202249Fundstelle nicht im Original geprüft
Gelbe Balken zählen nur herkömmliche Videotheken, für diese Jahre nennt keine geprüfte Quelle eine Gesamtzahl. Der Unterschied ist klein, aber er gehört gekennzeichnet.
Warum die Zahlen in der Presse auseinandergehen
Zwei Abgrenzungen laufen in der Reihe nebeneinander und werden in der Öffentlichkeit ständig vermischt. Der IVD zählte herkömmliche Videotheken und Automatenvideotheken getrennt und wies zusätzlich eine Gesamtzahl aus. Wo eine Quelle eine Gesamtzahl nennt, steht sie im Feld anzahl. Das Feld abgrenzung sagt für jedes Jahr, was gezählt wurde. Für 2016 und 2017 nennt keine geprüfte Quelle eine Gesamtzahl, dort steht die Zahl der herkömmlichen Videotheken.
Die scheinbaren Widersprüche lösen sich exakt auf, sobald man beide Zählungen trennt. Für 2014 nennt die eine Quelle 1.479, die andere 1.544. Beide haben recht: 1.479 herkömmliche plus 65 Automatenvideotheken ergeben 1.544. Dasselbe Muster gilt für 2018 mit 432 plus 8 und für 2012 mit 2.027 plus 181.
Was die Reihe nicht hergibt
Das ist keine amtliche Statistik. Das Statistische Bundesamt führt keine Videothekenzählung. Der IVD war ein Branchenverband, in dem nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der Betriebe organisiert waren. Der Verband löste sich 2024 auf, seine letzte Erhebung stammt aus 2022, für die Jahre danach gibt es keine Zahl. Die Jahre 1980, 1987 und 1995 stammen aus einer wissenschaftlichen Zusammenstellung und nicht aus einem einzelnen IVD-Dokument, sie sind schwächer belegt als die Jahre ab 2005.
Nicht belegt und deshalb nicht aufgenommen: alle Jahre vor 1980, die Jahre 1981 bis 1986, 1988, 1989, 1991 bis 1994, 1996 bis 1999, 2001 bis 2004 sowie 2020, 2021 und alle Jahre ab 2023. Für 1991 nennt der Wikipedia-Artikel zum IVD über 9.000 Videotheken, ohne dass die zugrunde liegende FAZ-Fundstelle im Original prüfbar wäre.
Erhoben am 2026-08-29. Der IVD hat die Bestandszahlen selbst erhoben und nach Bundesländern aufgeschlüsselt veröffentlicht, seine Tabellen tragen die Quellenangabe Quelle: IVD. Alle übrigen hier genannten Fundstellen geben diese IVD-Zahlen nur wieder, sie erheben nichts Eigenes. Beispielbeleg
Alle Belegsätze im Wortlaut
1980: 1.000
Gab es 1980 ca. 1.000 Videotheken, so waren es 1987 schon ca. 7.800 Verleihstellen (Tab. 2, Kap. 2).
Rundwert der Quelle (ca. 1.000), Abgrenzung nicht ausgewiesen
Quelle1987: 7.800
Gab es 1980 ca. 1.000 Videotheken, so waren es 1987 schon ca. 7.800 Verleihstellen (Tab. 2, Kap. 2).
Rundwert der Quelle (ca. 7.800 Verleihstellen), Abgrenzung nicht ausgewiesen
Quelle1990: 9.500
1990 waren es noch 9 500 gewesen.
Höchststand der Reihe, Abgrenzung nicht aufgeschlüsselt
Quelle1995: 6.200
Tabelle 2: Anzahl der Videotheken in Deutschland 1980 bis 2013, Spalte 1995, Wert 6200
Tabellenwert ohne eigenen Fließtext, Abgrenzung nicht aufgeschlüsselt
Quelle2000: 4.591
Dieser Prozess hielt auch im Jahr 2000 an: Hier waren 4 591 Videotheken verzeichnet
Abgrenzung nicht aufgeschlüsselt, davon 3 691 in den alten und 900 in den neuen Bundesländern
Quelle2005: 4.273
Tabelle 2: Anzahl der Videotheken in Deutschland 1980 bis 2013, Spalte 2005, Wert 4273
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2006: 4.302
Von den insgesamt 4.302 Videotheken sind 81 % aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2007: 4.173
Von den insgesamt 4.173 Videotheken sind über 80 Prozent aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2008: 3.508
Von den insgesamt 3.508 Videotheken sind ca. 80 Prozent aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2009: 3.009
Von den insgesamt 3.009 Videotheken sind ca. 85 Prozent aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2010: 2.795
Von den insgesamt 2.795 Videotheken sind ca. 80 % aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2011: 2.460
Von den insgesamt 2.460 Videotheken sind ca. 80 % aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2012: 2.208
Von den insgesamt 2.208 Videotheken sind ca. 80% aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2013: 1.848
Von den insgesamt 1.848 Videotheken sind ca. 80% aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2014: 1.544
Demnach ist ihre Zahl allein von 2014 bis 2018 auf weniger als ein Drittel zurückgegangen: Von 1544 Betrieben blieben 440.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2015: 1.212
Von den insgesamt 1.212 Videotheken sind ca. 80% aller Geschäfte im IVD organisiert.
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2016: 914
Am Ende des Geschäftsjahres 2017 gab es 586 herkömmlichen Videotheken (Vorjahr: 914) und 15 Automatenvideotheken (Vorjahr: 19).
nur herkömmliche Videotheken, Automatenvideotheken stehen separat im Feld automaten
Quelle2017: 586
Am Ende des Geschäftsjahres 2017 gab es 586 herkömmlichen Videotheken (Vorjahr: 914) und 15 Automatenvideotheken (Vorjahr: 19).
nur herkömmliche Videotheken, Automatenvideotheken stehen separat im Feld automaten
Quelle2018: 440
Am Ende des Geschäftsjahres 2018 gab es 432 herkömmlichen Videotheken (Vorjahr: 586) und 8 Automatenvideotheken (Vorjahr: 15).
Gesamtzahl: herkömmliche Videotheken plus Automatenvideotheken
Quelle2019: 345
Allein zwischen 2010 und 2019 sank die Zahl nach Angaben des Interessenverbands des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) von gut 2450 auf 345.
Abgrenzung nicht ausgewiesen. Der im selben Satz genannte Vergleichswert gut 2450 für 2010 entspricht der Zahl der herkömmlichen Videotheken (2.456), nicht der Gesamtzahl (2.795). Die 345 dürften daher ebenfalls nur die herkömmlichen Videotheken meinen.
Quelle2022: 49
1991 gab es über 9.000 Videotheken, 2018 waren es noch 440, und bei der letzten Erhebung im Jahr 2022 nur noch 49.
letzte Erhebung des IVD vor seiner Auflösung, Abgrenzung nicht ausgewiesen
Quelle