Ein Feuersalamander in Kinderschuhen führt diese Rangliste an. Lurchi wirbt seit 1937 für Salamander, das sind 89 Dienstjahre. Das HB-Männchen, an das sich jeder erinnert, kommt auf 27.
Das Maß dieser Rangliste ist die Laufzeit der Kampagne in Jahren, gerechnet vom ersten belegten Jahr bis zum letzten belegten Jahr, bei noch laufenden Figuren bis 2026. Bekanntheit zählt nicht, die Zahl der Spots zählt nicht. Drei Figuren haben eine Pause in der Mitte, das steht bei ihnen dabei, denn eine Pause bläht die Spanne auf.
Die Rangliste
- Lurchi, Salamander, seit 1937: 89 Jahre
- Der Bärenmarke-Bär, Bärenmarke, seit 1951: 75 Jahre
- Die Mainzelmännchen, ZDF Werbefernsehen, seit 1963: 63 Jahre
- Meister Proper, Procter & Gamble, seit 1967: 59 Jahre
- Die Weiße Dame, Persil, ab 1922: mindestens 38 Jahre
- Herr Kaiser, Hamburg-Mannheimer, 1972 bis 2009: 37 Jahre
- Klementine, Ariel, 1968 bis 1996: 28 Jahre mit Pause
- Das HB-Männchen, HB, 1957 bis 1984: 27 Jahre
- Der Persil-Mann, Persil, 1975 bis 1995: 20 Jahre mit Pause
- Trimmy, Deutscher Sportbund, 1970 bis 1986: 16 Jahre
- Dr. Best, Dr. Best, 1988 bis 2002: mindestens 14 Jahre
- Der Melitta-Mann, Melitta, 1989 bis 1999: 10 Jahre
Oben stehen die, die nie einen Spot brauchten
Lurchi entstand 1937, als Salamander noch nicht einmal Kinderschuhe führte. Die Hefte sollten die Kinder beschäftigen, damit die Eltern in Ruhe beraten werden konnten. Zwischen 1940 und 1950 erschien nichts, danach lief die Reihe weiter. Im Februar 2026 stand sie bei Nummer 174.
Der Bärenmarke-Bär kam 1951 dazu, einem Teddybären nachempfunden. 2006 wählte ihn eine Umfrage des Markenmuseums zur beliebtesten Werbefigur Deutschlands. Für ihn wie für Meister Proper, in Deutschland seit 1967, ist die Zeit gezählt, in der die Figur für die Marke steht, nicht eine durchlaufende Kampagne. Beide sind eher Markenzeichen als Darsteller und profitieren davon in dieser Tabelle.
Bei den Mainzelmännchen wird es heikel, denn sie bewerben nichts. Anton, Berti, Conni, Det, Edi und Fritzchen entstanden, weil das ZDF Werbung und Programm trennen musste. Seit dem 2. April 1963 tun sie genau das, inzwischen in etwa 50.000 Spots. Wer die Liste streng auf Produktwerbung begrenzt, muss sie streichen.
Die Weiße Dame ist die Unschärfe in dieser Liste
Kurt Heiligenstaedt kaufte 1922 seiner 18-jährigen Bekannten Erna Muchow ein weißes Kleid und einen Florentinerhut, drückte ihr eine Persil-Packung in die Hand und zeichnete danach das Plakat. Die Figur hielt sich auf Plakaten, Emailleschildern und Uhren an öffentlichen Plätzen. Henkel schreibt: bis in die 1960er Jahre. Darin liegt das Problem, denn das ist kein Jahr. In der Tabelle steht deshalb 1960, der früheste Zeitpunkt, der gemeint sein kann. Die 38 Jahre sind eine Untergrenze, es können 47 sein.
Das Fernsehen liefert die Figuren, an die sich alle erinnern
Herr Kaiser lief am 5. September 1972 zum ersten Mal und hielt bis Ende 2009 durch. Drei Männer haben ihn gespielt. Günter Geiermann, der erste, bekam 25.000 Mark im Jahr und Heiratsanträge, während seine Schauspielkarriere darunter litt. 2002 kannten 86 Prozent der Deutschen die Figur.
Klementine ist der Sonderfall. Der erste Spot wurde 1968 gedreht, dann kam eine Pause von rund zehn Jahren, dann die Rückkehr von 1993 bis 1996, diesmal ohne Latzhose. Über das Ende der ersten Phase sind sich die Quellen uneins: Procter & Gamble nennt 1983, die Wikipedia nennt 1984 für die Darstellung und 1986 für die letzten Spots. Die 28 Jahre sind die Spanne, nicht die Arbeitszeit.
Das HB-Männchen bringt es auf 27 Jahre und mehr als 400 Filme. Bruno regte sich in rückwärts abgespieltem Arabisch auf, ging wörtlich in die Luft und schwebte nach einer Zigarette wieder herunter. In den sechziger Jahren kannten ihn 96 Prozent der Zuschauer. Nach dem Werbeverbot im Fernsehen lief er nur noch im Kino, 1984 endete auch das.
Persil taucht ein zweites Mal auf, weiter unten. Jan-Gert Hagemeyer verkaufte das Waschmittel von 1975 bis 1985 im Tonfall eines Nachrichtensprechers und kam 1995 noch einmal zurück. Gespielt hat er die Rolle elf Jahre, die Spanne beträgt 20.
Das kurze Ende
Trimmy, das Männchen mit dem hochgereckten Daumen, kam am 16. März 1970 und trug vier Kampagnen des Deutschen Sportbundes bis 1986. Sein Zeichner Dieter Sihler beschrieb ihn als kleinen, schmächtigen, unscheinbaren Burschen, und genau das war der Punkt. Als Maskottchen des DOSB gibt es ihn bis heute.
Die beiden Letzten sind auch die Jüngsten. Earl James Best, tatsächlich Zahnmediziner in Chicago, stand von der Markteinführung am 2. Mai 1988 bis zu seinem Tod im Juni 2002 vor der Kamera. Wie lange danach mit anderen Darstellern gedreht wurde, ließ sich nicht klären, die 14 Jahre sind eine Untergrenze. Egon Wellenbrink drehte von 1989 bis 1999 über 130 Melitta-Spots.
Was sich nicht belegen ließ
Der Weiße Riese. Die Marke kam im Februar 1966 auf den Markt, das ist belegt. Die Werbefigur des Riesen nicht: Die Markenchronik von Henkel setzt ihn auf den Verpackungen erst 2017 an, andere Darstellungen datieren ihn um 1970. Ohne saubere Grenzen keine Laufzeit.
Sinalco. Belegt ist der Jingle ab 1979, der auf dem Flohwalzer beruht. Eine Werbefigur ist nirgends dokumentiert.
Das Sandmännchen. Eine Fernsehfigur, keine Werbefigur. Belege für einen Einsatz als Werbeträger fanden sich nicht.
Tilsiter. Zu finden war eine Schweizer Markenkampagne mit geschnitzten Holzkühen. Eine deutsche Tilsiter-Werbefigur mit datierbarer Laufzeit gibt es in den Quellen nicht.
Die Melitta-Frau. Kommt in den Quellen nicht vor. Dokumentiert ist der Melitta-Mann, und der steht in der Liste.
Quellen
Die Jahreszahlen stammen aus den Artikeln zu Lurchi, Bärenmarke, Mainzelmännchen, Meister Proper, Persil, Herr Kaiser, HB-Männchen, Dr. Best, Egon Wellenbrink und zur Trimm-dich-Bewegung in der deutschsprachigen Wikipedia. Dazu kommen die Mitteilung von Procter & Gamble zum 100. Geburtstag von Johanna König (2021), die Henkel-Mitteilung zur Weißen Dame vom 16. November 2022, die Markenchroniken zum Weißen Riesen und zu Melitta sowie der Aufsatz von Gerhard Paul über das HB-Männchen in den Zeithistorischen Forschungen 1/2 2007.
