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Benny Goodman

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Benny Goodman
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Zusammenfassung

Am 16. Januar 1938 spielte eine Big Band zum ersten Mal in der Carnegie Hall. Zwölf Jahre später erschien der Mitschnitt als Doppelalbum und verkaufte sich über eine Million Mal, als erste Jazzaufnahme überhaupt. Der Mann, der das durchsetzte, war ein Klarinettist aus dem Chicagoer Armenviertel, das neunte von zwölf Kindern jüdischer Einwanderer. Neuntes von zwölf Kindern in der Maxwell Street Benny Goodman wird am 30.

Am 16. Januar 1938 spielte eine Big Band zum ersten Mal in der Carnegie Hall. Zwölf Jahre später erschien der Mitschnitt als Doppelalbum und verkaufte sich über eine Million Mal, als erste Jazzaufnahme überhaupt. Der Mann, der das durchsetzte, war ein Klarinettist aus dem Chicagoer Armenviertel, das neunte von zwölf Kindern jüdischer Einwanderer.

Neuntes von zwölf Kindern in der Maxwell Street

Benny Goodman wird am 30. Mai 1909 in Chicago geboren. Sein Vater David stammt aus Warschau, seine Mutter Dora aus Kaunas, beide sind aus dem Russischen Reich eingewandert. Die Familie lebt im überfüllten Slumviertel Maxwell Street.

Mit zehn Jahren bekommt er kostenlosen Musikunterricht an der Kehelah-Jacob-Synagoge und lernt dort bei Franz Schoepp Klarinette. 1921 gibt er sein Debüt. Der Weg ist damit vorgezeichnet, und er verläuft über eine Institution, die es heute in dieser Form nicht mehr gibt: den kostenlosen Unterricht einer Gemeinde für Kinder, deren Eltern kein Instrument bezahlen konnten.

1934 formiert er für eine Radiosendung seine erste Big Band

Der Anlass ist ein Rundfunkauftrag: Für die Reihe "Let's Dance" stellt Goodman 1934 seine erste eigene Big Band zusammen. 1935 folgt der Durchbruch im Palomar Ballroom in Los Angeles, der gemeinhin als Beginn der Swing-Ära gilt.

Das Datum ist der 21. August 1935, und die Vorgeschichte macht den Abend erst verständlich. Zwei Tage zuvor hatte die Band in Oakland gespielt, wo Teile des Publikums in den Gängen tanzten. Am Abend darauf fiel sie in Pismo Beach durch, worauf die Musiker den Erfolg in Oakland für einen Zufall hielten.

Im Palomar begann Goodman den Abend mit den üblichen Standardarrangements und erntete Gleichgültigkeit. Für den zweiten Teil wechselte er auf die Arrangements von Fletcher Henderson und Spud Murphy, also auf das schärfere eigene Material. Der Schlagzeuger Gene Krupa soll dazu gesagt haben: Wenn wir schon untergehen, Benny, dann lass es uns mit unserer eigenen Sache tun. Der Saal brach in Jubel aus, Zeitungsberichte trugen die Nachricht weiter, und dieser Abend gilt seither als Beginn der Swing-Ära.

Bemerkenswert daran ist, dass der Erfolg auf einer Entscheidung gegen die Absicherung beruhte. Die Band spielte das, was zwei Tage zuvor durchgefallen war, weil das Vorsichtige ebenfalls nicht funktioniert hatte.

Er stellte schwarze Musiker ein, als das ein Tabu war

Der Pianist Teddy Wilson kam Ende 1935 in Goodmans Trio, nach erfolgreichen Konzerten der Chicagoer Rhythm Clubs. Der Vibraphonist Lionel Hampton folgte kurz darauf im Quartett. Diese Besetzung gilt als eine der ersten gemischt besetzten Formationen, die in den USA vor zahlendem Publikum auftraten.

Das war ein Tabubruch und zugleich ein wirtschaftliches Risiko, weil ganze Regionen der USA für eine gemischte Band als Auftrittsgebiet praktisch ausfielen.

Goodman hat das nie als politische Tat dargestellt, sondern als Personalentscheidung: Er wollte die besten Musiker. Genau das ist der Punkt, an dem die Sache wirkt. Eine Begründung, die sich auf Qualität beruft, lässt sich schwerer bestreiten als eine, die sich auf Gesinnung beruft.

Der 16. Januar 1938 in der Carnegie Hall

Es ist der erste Auftritt einer Jazz-Big-Band in diesem Saal. Die Carnegie Hall war der Ort für Sinfonieorchester und Solisten der klassischen Musik, Jazz galt dort als Tanzmusik aus Nachtlokalen.

Goodman holte für diesen Abend Musiker konkurrierender Bands dazu, unter ihnen den Gitarristen Freddie Green und den Tenorsaxofonisten Lester Young aus dem Orchester von Count Basie sowie Johnny Hodges von Duke Ellington. Seine eigene Besetzung umfasste Gene Krupa am Schlagzeug, Harry James an der Trompete und Jess Stacy am Klavier. Der Schlusspunkt, "Sing, Sing, Sing", dauert in der veröffentlichten Fassung 12 Minuten und 8 Sekunden.

Das Konzert wurde ein durchschlagender Erfolg, und der Jazz galt danach als saalfähig. Es ist einer der wenigen Fälle, in denen sich ein kultureller Statuswechsel auf ein einziges Datum festmachen lässt.

Der Mitschnitt erschien erst zwölf Jahre später

Aufgenommen wurde der Abend auf Acetatplatten. Lange hielt sich die Darstellung, ein einziges über der Bühne hängendes Mikrofon habe alles eingefangen. Spätere Untersuchungen ergaben, dass mindestens drei Mikrofone im Einsatz waren und mehrere Studios zusammenarbeiteten. Hochwertige Aluminiummaster tauchten erst Jahrzehnte später auf und führten ab 1998 zu neuen CD-Ausgaben.

1950 erschien der Mitschnitt bei Columbia Records als Doppel-LP. Er gehört damit zu den ersten Doppelalben und zu den ersten Livealben des Jazz überhaupt. Verkauft hat er sich über eine Million Mal und war die erste Jazzaufnahme, die diese Grenze erreichte.

AngabeWert
Konzertdatum16. Januar 1938
OrtCarnegie Hall, New York, erster Auftritt einer Jazz-Big-Band dort
Länge von "Sing, Sing, Sing"12 Minuten 8 Sekunden
Veröffentlichung des Mitschnitts1950, Columbia Records, Doppel-LP
Verkäufeüber 1 Million, erste Jazzaufnahme mit dieser Zahl
Neuausgaben auf CDab 1998, nach Fund der Aluminiummaster

Warum zwölf Jahre Verzögerung normal waren

Die Lücke zwischen 1938 und 1950 erklärt sich technisch. Eine Schallplatte fasste damals gut vier Minuten je Seite. Ein Konzertmitschnitt von über zwei Stunden hatte in diesem Format keinen Platz und war deshalb unverkäuflich.

Möglich wurde die Veröffentlichung erst durch die Langspielplatte, die Columbia 1948 einführte. Sie fasste rund zwanzig Minuten je Seite. Der Carnegie-Mitschnitt ist damit weniger eine späte Wiederentdeckung als eine Aufnahme, die auf ihr Trägerformat warten musste. Wie stark ein Tonträger darüber entscheidet, was überhaupt erscheinen kann, zeigt sich an derselben Stelle wie beim Walkman: Erst das Format bestimmt, welche Musik möglich wird.

Was von Goodman bleibt

Benny Goodman stirbt am 13. Juni 1986 in New York City. Zwischen dem Debüt von 1921 und diesem Datum liegen 65 Jahre Berufsleben.

Seine Bedeutung liegt an drei Stellen, und keine davon ist rein musikalisch. Er hat den Swing über das Radio zur Massenmusik gemacht, er hat gemischt besetzte Ensembles auf amerikanische Bühnen gebracht, als das etwas kostete, und er hat den Jazz in einen Konzertsaal geführt, der ihn vorher nicht hereinließ. Der Klarinettist aus der Maxwell Street hat damit für seine Musik dasselbe erreicht, was Konzertveranstalter sonst über Jahrzehnte vergeblich versuchen: Er hat ihren Status verändert, und zwar an einem einzigen Abend.

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