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C64 gegen Amiga 500: der Streit, den Deutschland ausgetragen hat

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Fünf Commodore-Rechner nebeneinander, im Bild beschriftet als Amiga 500 von 1987, C64 von 1982, C64 in der Aldi-Ausführung von 1987, C64C von 1986 und C128 von 1985
Amiga 500, drei Ausführungen des C64 und ein C128, im Bild beschriftetFoto: mariom990CC0Wikimedia Commonsauf 1280 px Breite verkleinert und in das WebP-Format umgewandelt

Zusammenfassung

Kein Streit in deutschen Kinderzimmern der achtziger Jahre wurde erbitterter geführt als dieser, und kaum einer war so schief. Der Commodore 64 und der Amiga 500 traten nie wirklich gegeneinander an: Zwischen ihnen liegen fünf Jahre. Trotzdem lohnt der Vergleich, denn er erklärt, warum die eine Maschine die Verbreitung gewann und die andere die Erinnerung. Eine Zahl vorweg, die in den üblichen Erzählungen fehlt. Vom Amiga 500 wurden in Deutschland rund 1.

Kein Streit in deutschen Kinderzimmern der achtziger Jahre wurde erbitterter geführt als dieser, und kaum einer war so schief. Der Commodore 64 und der Amiga 500 traten nie wirklich gegeneinander an: Zwischen ihnen liegen fünf Jahre. Trotzdem lohnt der Vergleich, denn er erklärt, warum die eine Maschine die Verbreitung gewann und die andere die Erinnerung.

Eine Zahl vorweg, die in den üblichen Erzählungen fehlt. Vom Amiga 500 wurden in Deutschland rund 1.081.000 Geräte verkauft, in den Vereinigten Staaten etwa 750.000. Der Rechner lief hier also besser als in dem Land, aus dem seine Hersteller kamen. Ein amerikanisches Produkt mit einem deutschen Publikum.

Die Ausgangslage

Der C64 kam 1982 auf den Markt und erreichte Deutschland Anfang 1983. Der Amiga 500 wurde im März 1987 auf der CeBIT vorgestellt, gemeinsam mit dem größeren Amiga 2000. Wer beide besaß, hatte sie meistens nacheinander, nicht nebeneinander.

Marktpolitisch war der Amiga 500 ohnehin nicht als Antwort auf den eigenen C64 gedacht, sondern auf den Atari ST. Diese Rolle hat er erfüllt und den Konkurrenten deutlich abgehängt. Der Nebeneffekt: Die Amiga-Reihe galt endgültig als Spielemaschine, was Commodore nie wollte.

Disziplin eins: der Preis

Der C64 kostete zur Markteinführung in Deutschland 1.495 Mark. Das sind 764 Euro, und nach dem Verbraucherpreisindex entspricht es rund 1.750 Euro in heutigem Geld. Für einen Heimcomputer, den man an den Fernseher hängte.

Der Amiga 500 lag Ende 1987 bei etwa 1.200 Mark, also 614 Euro und heute rund 1.340 Euro. Er war damit nominell billiger als der C64 vier Jahre zuvor, bei deutlich mehr Rechenleistung.

Der eigentliche Unterschied liegt aber im Preisverfall. Der C64 fiel schnell. 1986 bekam man ihn für etwa 500 Mark, nach heutiger Kaufkraft rund 560 Euro. Damit rutschte er aus der Anschaffung in die Mitbringsel-Klasse. Das hat kein anderer Rechner der Zeit geschafft.

Urteil: C64. Nicht wegen des Startpreises, sondern weil er als einziger billig genug wurde, um in Haushalten zu landen, die nie einen Computer geplant hatten.

Disziplin zwei: der Klang

Im C64 steckt der SID 6581, entwickelt von Robert Yannes, der später Ensoniq gründete. Drei Stimmen, vier kombinierbare Wellenformen je Stimme, dazu ein analoges Filter mit Tiefpass, Hochpass, Bandpass und Kerbfilter. Das klingt nach Datenblatt, erklärt aber, warum C64-Musik bis heute wiedererkennbar ist: Der Chip war teilweise analog und klang deshalb nie zweimal exakt gleich.

Das Byte Magazine führte den SID 1995 unter den zwanzig wichtigsten Chips der Computergeschichte, 2019 kam er in die Chip Hall of Fame des IEEE Spectrum. Für einen Soundchip aus einem Heimcomputer ist das eine bemerkenswerte Laufbahn.

Der Amiga 500 macht es völlig anders. Sein Chip Paula gibt Stereo aus, pro Seite zwei digitale Kanäle mit 8 Bit. Er synthetisiert nicht, er spielt ab. Damit konnte der Amiga echte Instrumente und Stimmen wiedergeben, wo der C64 sie nachbauen musste.

Urteil: unentschieden, und zwar ernsthaft. Der Amiga kann mehr, der SID klingt eigener. Wer heute Musik aus dieser Zeit hört, erkennt den SID nach zwei Sekunden. Beim Amiga erkennt man das Stück, nicht das Gerät.

Disziplin drei: das Bild

Der C64 zeigt 16 Farben. Im hochauflösenden Modus sind es 320 mal 200 Bildpunkte, und die 16 Farben sind nur mit Einschränkungen nutzbar, nämlich zwei eigene Farben je Block aus 8 mal 8 Pixeln. Dazu kommen acht Sprites, die sich per Multiplexing vervielfachen ließen, weshalb viele Spiele deutlich mehr als acht bewegte Objekte zeigen.

Der Amiga 500 arbeitet mit einer Palette von 4096 Farben. Zuständig ist der Chip Denise, unterstützt von Agnus mit Blitter und Copper, zwei Koprozessoren, die dem Hauptprozessor die Bildarbeit abnahmen.

Urteil: Amiga 500, deutlich. Das ist die eine Disziplin ohne Diskussion.

Disziplin vier: die Verbreitung

Hier gehen die Zahlen weiter auseinander, als die Erinnerung nahelegt. Vom C64 wurden allein in Deutschland etwa 3,05 Millionen Stück verkauft. Weltweit ist die Zahl umstritten: Die Angaben reichen von 12,5 über 17 bis zu 30 Millionen, und keine davon lässt sich sauber prüfen. Wer eine einzelne Zahl nennt, hat sich für eine Quelle entschieden und sollte sagen, für welche.

Alle Amiga-Modelle zusammen kamen weltweit auf rund 7,2 Millionen, in Deutschland auf etwa 1,68 Millionen. Der Amiga 500 stellt davon mit gut einer Million den größten Teil.

Der C64 hat den Amiga in Deutschland also um etwa den Faktor drei geschlagen. Wie tief er saß, zeigt eine Feier: Zum millionsten in Deutschland verkauften C64 legte Commodore 1986 eine goldene Kleinserie auf, rund 400 Stück, montiert auf einer Acrylplatte. Überreicht wurden sie am 5. Dezember 1986 im BMW-Museum in München.

Urteil: C64.

Die Entscheidung

Nach Punkten gewinnt der C64, und zwar dort, wo es zählt: Preis und Verbreitung. Der Amiga 500 gewinnt die Disziplin, die man auf Fotos sieht, und teilt sich die, die man hört.

Interessanter ist, was der Vergleich über das Nachleben sagt. Der C64 war das Gerät, das alle hatten. Der Amiga war das Gerät, das man wollte. Kult entsteht häufiger aus dem zweiten Fall, und deshalb wird über den Amiga bis heute anders gesprochen als über den meistverkauften Heimcomputer der Welt.

Woher die Zahlen stammen

Preise, Verkaufszahlen und technische Angaben stammen aus den Artikeln zu Commodore 64, Amiga 500, MOS Technology SID und Original Chip Set der deutschsprachigen Wikipedia sowie aus dem C64-Wiki. Die Umrechnung in heutiges Geld verwendet den Verbraucherpreisindex für Deutschland aus der Reihe FP.CPI.TOTL der Weltbank, Bezugsjahr 2025, umgerechnet zum amtlichen Schlusskurs von 1,95583 Mark je Euro. Bis 1990 bezieht sich die Reihe auf das frühere Bundesgebiet.

Wo Quellen sich widersprechen, steht die Spanne im Text und nicht der bequemste Wert. Das betrifft vor allem die weltweiten Stückzahlen des C64.

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