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Die Telefonzelle in Zahlen: was belegt ist und was nicht

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Eine gelbe Telefonzelle vor einer roten Hauswand, an der Scheibe klebt das magentafarbene T der Telekom, im Inneren ein Kartentelefon
Gelbe Telefonzelle in Pleinting mit dem Aufkleber der TelekomFoto: High ContrastCC BY 3.0 deWikimedia Commonsauf 1280 px Breite verkleinert und in das WebP-Format umgewandelt

Zusammenfassung

Am 21. November 2022 begann die Deutsche Telekom, die Münzannahme an den letzten 12. 000 öffentlichen Telefonen abzuschalten. Ende Januar 2023 folgte die Telefonkarte, und der Dienst war beendet. Wie viele Telefonzellen vorher standen, wird gern in runden Zahlen erzählt.

Am 21. November 2022 begann die Deutsche Telekom, die Münzannahme an den letzten 12.000 öffentlichen Telefonen abzuschalten. Ende Januar 2023 folgte die Telefonkarte, und der Dienst war beendet. Wie viele Telefonzellen vorher standen, wird gern in runden Zahlen erzählt. Die belegbare Reihe ist unbequemer, denn die Erheber widersprechen einander und sich selbst.

Wer zählt und was gezählt wird

Drei Stellen haben Zahlen veröffentlicht: die Deutsche Bundespost und ihre Nachfolgerin Deutsche Telekom in eigenen Berichten, die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (Reg TP) von 1998 bis 2004, danach die Bundesnetzagentur bis 2020. Die Behörden zählen keine Häuschen, sondern "öffentliche Telefonstellen (Münz- und Kartentelefone)", also Geräte. Das zählt, weil die Telekom ab etwa 2000 Zellen durch offene Säulen ersetzte. Die amtliche Reihe misst dasselbe weiter, während sich ändert, was am Straßenrand steht.

Der Bestand von 1989 bis 2022

Die Deutsche Bundespost nannte für 1989 "ca. 140.000 öffentliche Sprechstellen". Für die Geschäftsjahre 1991 bis 1993 meldete die Deutsche Bundespost Telekom jeweils rund 200.000. Zum 31. Dezember 1998 gab die Deutsche Telekom AG ihren Bestand gegenüber der Reg TP mit etwa 148.000 an. Danach fiel die Kurve stetig: 120.500 Ende 1999, 112.000 Ende 2001, 110.100 Ende 2002, 107.000 Ende 2003, 106.000 Ende 2004.

Für 2006 meldete die Bundesnetzagentur einen Anstieg auf 109.000 und begründete ihn mit Reisenden aus dem Euroraum, die wieder öfter Münztelefone benutzten. 2008 waren es rund 104.000. Dann brach die Reihe ein: 94.000 Ende 2009, 66.000 Ende 2011, 52.000 Ende 2012, 48.000 Ende 2013, 36.000 Ende 2014, 29.000 Ende 2015, 26.000 Ende 2016, 23.000 Ende 2017, 18.000 Ende 2018, etwa 15.700 Ende 2019 und rund 14.600 Ende 2020. Für 2021 gibt es nichts mehr, denn Ende 2021 strich eine Gesetzesänderung den Versorgungsauftrag. Die letzte belegte Angabe stammt vom Betreiber: rund 12.000, genannt am 26. Oktober 2022.

Warum die Zahlen wandern

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht das laufende Jahr als Prognosewert und korrigiert ihn ein Jahr später, fast immer nach unten. Aus den 48.000 für 2013 wurden nachträglich 40.000, aus 94.000 für 2009 wurden 84.000. Wer eine Jahreszahl nennt, sollte dazusagen, aus welchem Bericht sie stammt.

Zwei Werte widersprechen sich sogar im selben Heft: Der Jahresbericht 2020 nennt im Marktteil "rund 16.000" für das Jahresende 2020, im Kapitel Universaldienst "rund 14.600 Geräte". Noch weiter auseinander liegt der Höchststand. Die Telekom schrieb 2022 von "ehemals über 160.000 öffentlichen Telefonen". Ein Projektleiter desselben Unternehmens sagte 2019: "Zu den besten Zeiten hatten wir über 100.000 öffentliche Telefone in Deutschland." Die eigenen Geschäftsberichte der frühen Neunziger nennen rund 200.000.

Münze gegen Karte

Der Umbau vom Münz- zum Kartentelefon ist Jahr für Jahr belegt. Der erste Feldversuch lief ab dem 20. Juni 1983 in Frankfurt am Main mit etwa 30 Geräten, der bundesweite Chipkartentest ab dem 16. Dezember 1986. Ende 1989 standen 10.000 Kartentelefone, Ende 1991 rund 25.000, Ende 1992 etwa 38.000, im Juni 1995 dann 83.000. Der Grund war nicht Bequemlichkeit, sondern Vandalismus: 1993 tauschte die Telekom rund 12.000 Münzapparate gegen Kartengeräte, "weil diese weniger häufig zerstört und ausgeraubt werden". Das Ziel von 150.000 Kartentelefonen bis 1998 verfehlte sie deutlich, denn Ende 1998 gab es insgesamt nur noch 148.000 öffentliche Telefonstellen.

Gelbes Häuschen, magentafarbene Säule

Ab 1932 war die Gestaltung reichsweit genormt, ab 1946 waren die Zellen einheitlich gelb. Das Modell, das die meisten vor Augen haben, ist jünger. "Die ersten gelben Kunststoffhäuschen wurden 1978 aufgestellt", sagte Telekom-Projektleiter Günter Nerlinger, "der Name leitet sich vom Einführungsjahr ab, es heißt TelH78." Ab Mitte der Neunziger wurden die Häuschen in Weiß, Grau und Magenta umgestaltet. Ein Startdatum für die magentafarbene Säule nennt die Telekom nirgends.

Das Ende in zwei Schritten

Ab dem 21. November 2022 deaktivierte die Telekom die Münzzahlung schrittweise bundesweit, ab Ende Januar 2023 auch die Zahlung mit Telefonkarte "und somit der gesamte Telekommunikationsdienst". Die Telefonkartendienste liefen zum 31. Dezember 2023 aus.

Der Abbau dauert länger als angekündigt. Im Januar 2025 teilte die Telekom mit, sie werde ihn "im Laufe dieses Jahres" abschließen. Im Februar 2026 räumte ein Sprecher ein, dass das nicht gelungen ist: In gut 70 Prozent der 1.800 Städte und Dörfer sei der Abbau vollendet, in knapp 30 Prozent nicht. Stückzahlen nennt das Unternehmen seit 2023 nicht mehr.

Was sich nicht belegen ließ

Das genaue Abschaltdatum. Die Telekom schreibt "ab Ende Januar" 2023. Presseberichte nennen den 30. Januar unter Berufung auf ein Schreiben des Unternehmens, das öffentlich nicht vorliegt.

Der Höchststand. Keine gefundene Quelle nennt ein Jahr mit einem geprüften Spitzenwert. Die Angabe von 165.000 Telefonstellen für 1997, die in der deutschsprachigen Wikipedia steht, trägt dort keinen Beleg. Ebenso wenig belegt ist der Abbau der letzten gelben Zelle im Oktober 2018.

Die Aufteilung nach Zahlungsart und der Bestand 2021. Nach 1995 hat kein Erheber Münz- und Kartentelefone mehr getrennt ausgewiesen. Zwischen den 14.600 der Bundesnetzagentur und den 12.000 der Telekom liegt keine erhobene Zahl.

Quellen

Die Zahlen von 1998 bis 2004 stammen aus den Berichten der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, die von 2004 bis 2020 aus den Jahres- und Tätigkeitsberichten der Bundesnetzagentur, die für 1989 bis 1995 aus Geschäftsberichten der Deutschen Bundespost Telekom im Archiv von post-und-telekommunikation.de. Zum Ende gibt es zwei Texte der Deutschen Telekom, "Die letzten Groschen sind gefallen" vom 26. Oktober 2022 und "Hier ging das letzte gelbe Telefonhäuschen" vom 23. April 2019. Der Stand des Abbaus stammt aus Meldungen der Wirtschaftswoche und von connect professional vom Februar 2026 und von t-online vom 20. Januar 2025, alle mit einem Telekom-Sprecher als Quelle.

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