Am 11. Juli 1972 zeigte das ZDF zum ersten Mal eine britische Krimiserie, die in den Vereinigten Staaten durchgefallen war. In Deutschland wurde daraus Kult, wegen des Textes darunter. Der Mann hieß Rainer Brandt, geboren am 19. Januar 1936 in Berlin, gestorben am 1. August 2024. Er schrieb die Dialogbücher, sprach Tony Curtis selbst und gab dem Verfahren einen Namen: Schnodderdeutsch.
Ein Stil bekommt einen Namen
Brandt kam 1954 zur Synchronisation, weil er ein Synchronstudio für ein Filmstudio hielt. Der Stil entstand später aus einer Beschwerde: Er hatte die Übersetzung mehrerer Motorradrocker-Filme bemängelt, weil der kalifornische Slang nicht angemessen übertragen war, und durfte die Dialoge daraufhin selbst schreiben. In einem ZDF-Interview beschrieb er das Ergebnis so: "Es war ein Misch-Masch. Zusammengewürfelt aus Berlinismen, jiddisch, ein bisschen Unterwelt und etwas Gosse!"
Allein war er damit nicht. Karlheinz Brunnemann (1927 bis 2013), dessen Deutsche Synchron 1963 entstand, prägte den Ton mit. In dieser Machart lief schon "Tennisschläger und Kanonen" ab 1968.
Die 2, ein Flop in den USA und Kult in Deutschland
"The Persuaders!" entstand von Mai 1970 bis Juli 1971, produziert von Lew Grade nach einer Idee von Robert S. Baker. 24 Folgen in einer einzigen Staffel, je 50 Minuten, mit Roger Moore und Tony Curtis. Die britische Erstausstrahlung lief am 17. September 1971 auf ITV, die letzte Folge am 25. Februar 1972. Verkauft wurde die Serie in mehr als 80 Länder. In den USA fiel sie durch, deshalb blieb es bei einer Staffel.
Das ZDF kaufte zunächst nur 15 davon. Die Deutsche Synchron bearbeitete sie, Brandt schrieb die Bücher und führte mit Brunnemann Regie. Der zuständige Redakteur vermutete beim ersten Hören einen Scherz. Moore sprach Lothar Blumhagen, Richter Fulton sprach Friedrich Wilhelm Bauschulte. Die fehlenden sieben Folgen kaufte erst 1994 der Kabelkanal und ließ sie bei Brandts eigener Firma nachsynchronisieren. Man hört das Datum: In Folge 20 nimmt Felix sein Toupet ab, und Danny murmelt "Oh, Glatznost!".
Was Brandt aus den Dialogen machte
Beide Fassungen liegen vor, der Unterschied ist also nachprüfbar. In einer Szene bittet Curtis im Original einen Autofahrer: "Would you move your car, please?" Bei Brandt sagt er: "Würden Sie Ihren Kachelofen freundlichst zur Seite stellen, man möchte passieren!" Moores schlichtes "Hough!" wird zu "Dass Ihr mir nicht unter die Räder kommt!".
Dazu kamen Sprüche ganz ohne Vorlage, etwa "Sleep well in your Bettgestell!". Und die Serie kommentierte den eigenen Umbau. Auf Fultons Vorhaltung, er habe schon viele Sprüche losgelassen, die nicht jedermanns Geschmack gewesen seien, antwortet Danny Wilde: "Leute, die lieber Originaltexte hören, interessieren doch nicht!"
Brandt erzählte in Interviews, Tony Curtis habe Deutsch verstanden und eine Fortsetzung angeregt, sofern Brandt auch die Original-Drehbücher schreibe. Daraus wurde nichts, weil sich Curtis und Moore zerstritten.
Spencer und Hill, Filme ohne Originalton
Bei den Italowestern mit Bud Spencer und Terence Hill fiel das Argument gegen freie Synchronisation ohnehin weg. Spencer hat in einem Interview erklärt, dass es von diesen Filmen keine Originalsprache gibt: Am Set sprach niemand dieselbe Sprache, die einen Italienisch, die anderen Spanisch oder Englisch. Selbst für das italienische Publikum mussten die Filme nachsynchronisiert werden.
Die Berliner Fassungen nutzten das aus. Karge Dialoge wurden ausgebaut, stumme Einstellungen wurden übersprochen, sofern der Mund nicht im Bild war. Spencer sprach meist Wolfgang Hess, in über 25 Filmen und zwei Serien; unter Brandts Regie kamen Arnold Marquis auf zehn und Martin Hirthe auf sieben Einsätze.
Nach dem Durchbruch des Duos holte man die alten, ernsten Western zurück und sprach sie um. Aus "Gott vergibt, Django nie!" von 1967 wurde "Zwei vom Affen gebissen", rund 13 Minuten kürzer und ab 16 freigegeben. Die Kürzung war die Bedingung für den Ton: Härtere Szenen mussten weg, damit die Sprüche passten.
Der größte Erfolg lief mit der anderen Fassung
"Vier Fäuste für ein Halleluja" startete am 25. Mai 1972 und ist mit grob geschätzt 12.267.000 Zuschauern bis heute auf Platz 10 der deutschen All-Time-Kinocharts. Diese Zuschauer sahen aber nicht Brandts Fassung: Buch und Dialogregie lagen 1972 bei Horst Sommer. Brandt synchronisierte den Film erst Anfang der achtziger Jahre neu und kürzte ihn dabei um rund acht Minuten.
Ganz seine Arbeit ist dagegen "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle", gestartet am 6. März 1973. Wie weit die deutsche Fassung eigene Wege ging, zeigt die Laufzeit: 106 Minuten gegenüber 94 Minuten in der italienischen Version.
Freie Synchronisation gab es schon vorher
In Deutschland werden nahezu alle fremdsprachigen Filme synchronisiert. Nach 1945 wurden Filme inhaltlich angepasst, also zensiert, meist nicht auf behördliche Auflage, sondern aus Rücksicht auf den vermuteten Publikumsgeschmack. Die deutsche Fassung von "Casablanca" von 1952 schnitt alle Szenen mit den Nazis heraus.
Diese älteren Bearbeitungen verbargen, was sie taten. Brandt stellte es aus und ließ seine Figuren darüber reden, dass hier gerade jemand anderes spricht als der Autor des Drehbuchs.
Was sich nicht belegen ließ
Einschaltquoten für "Die 2" stehen in keiner der Quellen, und die Zuschauerzahl für "Vier Fäuste für ein Halleluja" ist in der Quelle ausdrücklich als grobe Schätzung markiert. Eine Gesamtzahl von Brandts Dialogbüchern findet sich nirgends, deshalb steht hier auch keine.
Quellen
Deutschsprachige Wikipedia, Artikel "Rainer Brandt (Schauspieler)", "Schnodderdeutsch", "Die 2 (Krimiserie)", "Bud Spencer", "Terence Hill", "Synchronisation (Film)", "Vier Fäuste für ein Halleluja" und "Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle". Die Dialogzeilen stammen aus der Beispieltabelle im Artikel zur Serie.
